Totti`s China-Blog (6)


Wieder auf dem Fußballplatz

Am Montagnachmittag waren wir wieder bei der Quzhou First High School zu Gast. Für mich stand heute die Spieler- und Trainerbeobachtung auf dem Programm. Nach ein paar Runden um den halben Platz setzen die Spieler ihr Aufwärmprogramm mit verschiedenen Übungen des Lauf-ABC fort während uns der Trainer begrüßte. Die beiden Torhüter der Schulmannschaft bekommen zwei bis drei Mal in der Woche spezielles Torwarttraining. An diesem Montag war der Torwarttrainer aber nicht da und sie wurden auch nicht ins Mannschaftstraining integriert um beispielsweise ihr Spiel mit dem Ball am Fuß zu verbessern.

Ich musste aber leider bereits nach ein paar Minuten der ersten Technik-Übung (Passen im Dreieck) feststellen, dass dieser Trainer bei einer Prüfung zum C-Breitenfußball auf Grund seiner Organisation durchfallen würde. Für 20 Feldspieler hatte er lediglich zwei Gruppen aufgebaut und die Hütchen jeweils mit drei bis vier Spielern besetzt. Wartezeiten nach jeder Aktion (Ballkontrolle und Pass) waren ca. 35 bis 40 Sekunden. Mit verschiedenen Variationen dauerte diese Technik-Übung ungefähr 40 Minuten. Zum Anschluss des Trainings gab es dann noch eine Torschuss-Übung mit Passkombination. Hier wurden zwei Reihen mit jeweils zehn Spielern auf ein Tor aufgebaut und die beiden ersten Spieler jeder Reihe führten eine kurze Passkombination mit anschließendem Torschuss aus. Die Wartezeiten waren bei der Übung noch extremer, so dass jeder Spieler alle zwei Minuten eine Aktion hatte und somit alle vier Minuten einen Torschuss. Nach 20 Minuten kam so jeder Spieler auf vier bis fünf Torschüsse. Wie der Trainer berichtete war für den Dienstag ein Trainingsspiel geplant, sodass er heute eine geringe Intensität wählte. Ein Abschlussspiel mit taktischem Schwerpunkt zur Vorbereitung auf das Testspiel wurde leider auch nicht durchgeführt.

Mein Fazit zu der gesamten Trainingseinheit ist, dass es eine Menge Spielraum für Verbesserungen gibt. Schon während des Trainings hatte ich viele Ideen um die Wartezeiten zu verkürzen und insgesamt die Zeit auf dem Platz besser zu nutzen um den Spielern mehr Wiederholungen beim Techniktraining zu verschaffen. Man darf dabei nicht vergessen, dass diese Schulmannschaft in den letzten Jahren acht Mal in Folge Stadtmeister geworden ist. Wie sieht da wohl das Training an den anderen Schulen aus?

 

Das Testspiel am Dienstag

Das Testspiel am Dienstagnachmittag war dann eine Möglichkeit die Spieler mal richtig in Aktion zu erleben. Dabei konnten sich zwei Spieler ein bisschen in Szene setzen. Der Mittelstürmer zeigte sich immer wieder mit guten Freilaufbewegungen. Mit dem Rücken zum Tor konnte er die Zuspiele gut verarbeiten, war in der Lage den Ball im Zweikampf abzuschirmen und seine Mitspieler in Szene zu setzen. Mit einer dynamischen Aktion konnte er so auch eine sehr gute Torchance vorbereiten, die leider ungenutzt blieb. Außerdem war der Linksaußen auch noch sehr auffällig. Er zeigte hohe Spielintelligenz und sehr viel Laufbereitschaft. So half er immer wieder in der Verteidigung aus und schaltete nach Balleroberung sehr schnell auf Angriff um. Bereits in den ersten Minuten konnte er mit einer dynamischen Aktion die erste Torchance des Spiels vorbereiten, die der gegnerische Torwart gut parierte. Im weiteren Spielverlauf zeigte er viel Zug zum Tor und sorgte dann auch für das einzige Tor des Tages.

Ob sich diese beiden Talente bei einer Jugendmannschaft in Deutschland durchsetzen könnten bleibt fraglich, da sie körperlich nicht so robust sind. Dennoch zeigten sie eine Menge Spielintelligenz, hatten viele dynamische Aktionen und bereicherten so das Spiel ihrer Mannschaft. Festzuhalten bleibt aber, dass das Spiel insgesamt eher auf einem schwachen bis mittelmäßigen Niveau war.

Zum Abschluss noch ein Treffen mit Politikern

An meinem letzten Tag in Quzhou hatten wir noch ein Treffen mit Politikern der Behörde für Sport. Dabei zeigten sich die Politiker an einer langfristigen Kooperation für den regionalen Fußball sehr interessiert. Nach diesem Treffen hatten Herr Li und ich noch ein gemeinsames Mittagessen bevor es für mich mit dem Zug nach Shanghai ging. Dabei zeigte er sich sehr zufrieden und versicherte mir, dass wir in den letzten drei Wochen gemeinsam sehr viel erreicht hätten. Nun kommen in den nächsten Wochen noch eine Menge Gespräche auf ihn zu, damit wir in den kommenden Monaten und Jahren eine langfristige Partnerschaft aufbauen können.